Interview

Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach

Im idyllischen Heggelbach, unweit des Bodensees, ist unser „Holzgas-Kunde der ersten Stunde“ zu Hause. Thomas Schmid, studierter Landwirt, ist Abnehmer der ersten Holz-Kraft-Anlage aus dem Hause Spanner RE². Die Entscheidung, fortan nachhaltig einheizen zu wollen, fällte der  54-Jährige jedoch nicht für sich: Seit mehr als 20 Jahren wird der Heggelbach-Hof gemeinschaftlich bewirtschaftet. Waren es zu Beginn noch drei junge Familien, so finden sich in der landwirtschaftlichen Hofgemeinschaft heute bereits sechs Familien als gleichwertige Gesellschafter ein. Alle Mitglieder machen es sich zusammen mit ihren Mitarbeitern dabei zur Aufgabe, den Heggelbach-Hof nach der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise und den Richtlinien von Demeter in all seinen Möglichkeiten zu gestalten und zu entwickeln. Neben der Ackerbestellung und dem Gemüsebau findet sich in der Hofgemeinschaft Heggelbach auch eine regionale Hofkäserei. Die hierfür benötigte Milch liefern die artgerecht gehaltenen 45 Heggelbacher Kühe, ebenso wie den für die Felderwirtschaft benötigten Dünger. Mit ihnen leben weiter Schweine, Schafe, Hühner, Gänse und zahlreiche Katzen im Einklang. Den einen oder anderen Feriengast treffen Besucher zwischen der gebotenen Vielfalt der Hofgemeinschaft zuweilen ebenfalls an.

Hohes Ziel der Heggelbacher Wirtschaftsweise ist eine gesunde Landwirtschaft durch Erhaltung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Lebens- und Existenzgrundlage. Ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf speist den Grundgedanken, so auch im Energiebereich. Getreu dem Motto: „Die Herausforderung, Ressourcen und Umwelt zu schonen, verlangt nach neuen Wegen!“ zeigte sich der Heggelbach-Hof 2008 geschlossen bereit, zusammen mit der Firma Spanner RE² neue Wege der Nachhaltigkeit zu beschreiten und der Holz-Kraft-Anlage Vertrauen zu schenken.

Herr Schmid, eine der Grundprinzipien Ihrer Hofgemeinschaft ist, einen geschlossenen Energiekreislauf zu erzeugen. Inwiefern sehen Sie diesen Nachhaltigkeitsgedanken in der Holz-Kraft-Anlage der Firma Spanner RE² verwirklicht?

Unser Ziel war es vorrangig, einen Weg zu finden, den Rohstoff, den man für die Energieerzeugung benötigt, theoretisch selber zu produzieren. Denn die Not ist ja die: Fossile Brennstoffe werden immer knapper, anstelle derer muss man auf andere, regenerative Quellen zurückgreifen. Photovoltaik halte ich nur begrenzt für eine Lösung. Wir in unserer Hofgemeinschaft waren uns daher bald einig, im Energiebereich mit Holz zu arbeiten. Das bietet sich natürlich an, da wir sehr viele Grenzertragsflächen, also hängige Flächen, Waldränder und auch Haine bewirtschaften, kurzum Flächen, die wir zur Holznutzung und Holzgewinnung verwenden können. Ökologisch ist das höchst sinnvoll, da wir über kurz oder lang durchaus eine Kapazität von 100% der notwendigen organischen Masse selber erzeugen können. Wärme und Strom dezentral aus heimischer Biomasse bereitzustellen bedeutet eine enorme Steigerung der regionalen Wertschöpfung, da „nachwachsende“ Energie im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise steht. Das bedeutet: Die Abhängigkeit von Energieexporten wird reduziert, das Kapital fließt nicht in Importländer und steht somit der eigenen Volkswirtschaft zur Verfügung.

Bezogen auf das Grundprinzip des geschlossenen Energiekreislaufs entsprach dieses Konzept genau unseren Vorstellungen. Wir bewirtschaften eine Fläche von etwa 150ha und wollten diese auch sinnvoll nutzen. Nicht wie bei Biogas-Anlagen, sondern sinnvoll im Sinne der Nachhaltigkeit, sprich einen nachwachsenden Rohstoff erzeugen und verwenden – eben eine runde Sache hinstellen. Der Holzvergaser scheint hierfür die einzige Lösung. Und das auch im Sinne der Ökologie und dem Naturschutz.

Woher beziehen Sie aktuell Ihre Hackschnitzel?

Momentan beziehen wir den Großteil, also in etwa 80%, über einen Händler. Wir kaufen ausschließlich Waldhackschnitzel, denn es soll ein nachwachsender Rohstoff sein. Ich verwende kein Altholz. Den Rohstoff zu beziehen stellt eigentlich keine Schwierigkeit dar. Darüberhinaus haben wir in den letzten fünf Jahren einige Kilometer Hecken gepflanzt. Dafür haben wir jetzt mit der Anlage natürlich eine sinnvolle Verwendung.

Achten Sie auf eine bestimmte Qualität der Ware?

Nein. Meiner Ansicht nach benötigt die Holz-Kraft-Anlage keine Designerhackschnitzel. Bei den vielen Hecken, die wir besitzen, fallen auch kleine Stücke an. Das funktioniert und ich versuche mich auch künftig in dieser Hinsicht um eine stetige Weiterentwicklung zu bemühen.

Sie sind Besitzer der ersten Holz-Kraft-Anlage der Firma Spanner RE². Was gab Anstoß, sich auf das Projekt einzulassen?

Den Ausschlag, weshalb wir uns für das Projekt entschieden haben, gab Herr Bleul selbst. In einem langen Vorab-Gespräch stellte er sich all unseren Fragen und Zweifeln, wodurch wir schlussendlich erkannten, dass die Firma ganz hinter dem Vorhaben steht. Und auch wir in der Hofgemeinschaft waren uns geschlossen darüber einig, uns darauf einlassen zu wollen. Zudem muss fairerweise erwähnt werden, dass durch eine entsprechende Vereinbarung mit der Firma das Risiko, zumindest in finanzieller Hinsicht, beträchtlich minimiert wurde. Das benötigte Gebäude hätten wir ohnehin gebaut, da die Idee eines zentralen Heizraumes bereits längere Zeit im Raum stand. Wäre das Vorhaben gescheitert, hätte eine Hackschnitzelanlage ihren Platz darin gefunden.

Die erste Anlage überhaupt im Feld aufzustellen – das stellte natürlich das größte Risiko dar. Dennoch wollte ich dem Projekt unbedingt eine Chance geben. Für mich ist die Holz-Kraft-Anlage eine geniale Lösung, vor allem – und das ist gleichzeitig das eigentlich Einmalige – in diesem Leistungsbereich. Leistungsbereiche von 30kW elektrisch und 60kW thermisch, die sind für kleinere Einheiten wie unsere Hofgemeinschaft einfach ideal. Zum Vergleich: Bei Biogas sprechen wir von etwa 500kW elektrisch. Eine 50kW Anlage erscheint den meisten Herstellern lachhaft. Allein schon diese Tatsache gab genug Anstoß, das Risiko einzugehen.

Bewerten Sie rückblickend das Projekt als erfolgreich gestartet?

Ja. Dazu muss ich sagen, dass wir an unserem Hof einen aktiven Generationenwechsel vollziehen, das bedeutet, die Arbeitsbetriebe der zwei ältesten Familien, wie als Beispiel der Gemüseanbau, haben jeweils sehr junge Betriebsleiter, die ebenfalls teilhabend sind. Sie haben mir den Freiraum gelassen, den es zu der Zeit einfach benötigt hat, um die Anlage zum Laufen zu bringen. Denn als der Holzvergaser am Hof aufgestellt wurde, wusste keiner so recht, wie mit der Anlage umzugehen ist.

Die Fragestellungen und Probleme, die sich teilweise täglich ergaben, waren zu Beginn etwas schwierig zu handhaben. Dennoch ist es uns zu keiner Zeit in den Sinn gekommen, die Anlage aufzugeben, da auftretende Störungen nie grundsätzlicher Art waren. Es wurde schnell deutlich, dass es sich um lösbare Mängel handelt.

Wie hoch gestaltet sich der Arbeitsaufwand derzeitig?

Der Holzvergaser läuft heute, abgesehen von kleineren Störungen, sehr gut. In der Regel beschränkt sich die tägliche Arbeit auf 15 Minuten. Der zusätzliche Aufwand, als Beispiel Umbauten und dergleichen, beläuft sich in etwa auf zwei bis drei Tage im Monat. Eine normale Störung kann eigentlich nun jeder am Hof beheben.

Wofür verwenden Sie die abgegebene Wärme?

Vorwiegend für die Heizung aller Gebäude und das benötigte Warmwasser im privaten Bereich und in den Ferienwohnungen. Der Holzvergaser läuft bei uns strikt wärmegeführt. Und das stellt einen weiteren Grund dar, warum wir uns dafür entschieden haben. Es liegt in meinem Ermessen, wann ich die Anlage einschalte und wann nicht. Bei Biogas hingegen hätten wir einen 24-Stunden-Betrieb. Dabei wird die Wärme quasi in die Luft geblasen. Das möchte ich nicht.

Wie viele Stunden Laufzeit erzielen Sie in etwa pro Jahr?

In diesem Jahr verbuche ich circa 5.500 Stunden, zusammen mit der Heutrocknung möglicherweise auch 6000 Stunden. Ich bin bestrebt, eine möglichst lange Laufzeit zu erlangen, aber nur mit einer optimalen Nutzung. Ein gewisser Kreislauf sollte aufrecht erhalten werden. Und das ist auch die Perspektive für nächstes Jahr.

Ein großer Wunsch von meiner Seite wäre es, aus der nicht benötigten Wärme Kälte zu erzeugen. Da bei uns relativ viele Kühlaggregate in Gang sind, wäre das für mich eine geniale Lösung, um die Wärmenutzung weiter auszudehnen, und somit auf eine höhere Laufzeit zu kommen. Sprich: Nutzungsoptimierung im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes.

Wie schätzen Sie die bisherige Zusammenarbeit mit der Firma Spanner RE² ein?

Großartig. Denn egal welche Probleme auftraten, von Seiten des Unternehmens gab es jederzeit volle Unterstützung. Vor allem Thomas Bleul zeigt eine offene Haltung, die deutlich macht, dass eine ehrliche Zusammenarbeit möglich ist. Auch das große Interesse des Unternehmens an der Weiterentwicklung der Anlage und die Zusammenarbeit mit Herrn Joos zeugen von dieser Einstellung. Eine stetige Weiterentwicklung ist auch Teil unseres Konzeptes. Ich denke, dieser Aspekt ist ein ausschlaggebender Punkt für Thomas Bleul gewesen, warum er gerade mit uns das Wagnis eingegangen ist.

Die Distanz zum Standort der Firma stellte für mich natürlich dessen ungeachtet ein gewisses Risiko dar. Von daher war es notwendig, dass ich mich ebenfalls mit der Anlage gut auskenne. Dennoch wurde ich nicht mir selbst überlassen. Wer für mich in dieser Zeit sehr wichtig war und noch immer ist, ist Herr Geiger, der als Mitarbeiter der Firma Spanner RE² in unserer Region tätig ist.

Und wie bewerten Sie persönlich den derzeitigen Stand im Energiebereich?

Wir am Hof erzielen momentan einen Nutzungsgrad von etwa 60-70%. Könnten wir weltweit solche Zahlen verbuchen, wäre das für den Klimaschutz grandios. Der Nutzungsgrad allein in Deutschland beträgt lediglich 30%. Insgesamt sollte effizienter mit der Nutzung umgegangen, übrige Wärme als Beispiel verkauft werden. Auch kleine, dezentrale Anlagen sind für mich die Zukunft. Denn der Nachhaltigkeitsgedanke erlangt angesichts stetig knapper werdender fossiler Brennstoffe immer mehr an Bedeutung.